Text und Bilder: Ernst Dürr
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Während Kredenbach aufgrund der Zugehörigkeit zur Grafschaft Wertheim schon um 1580 den lutherischen Glauben annahm und sich von der Pfarrei Esselbach löste, blieb das ebenfalls wertheimische Steinmark wohl wegen der großen Entfernung zu den nächsten evangelischen Kirchen in Michelrieth und Kreuzwertheim, zunächst beim alten Glauben. Doch 1617/18 mussten auch die Steinmarker als Reaktion auf die Gegenreformation zwangsweise die Konfession wechseln.
Bedingt durch diese konfessionelle Trennung haben sich die Trachten in den Orten der heutigen Gemeinde Esselbach unterschiedlich entwickelt. In Esselbach gab es die gemeinsame Tracht von Esselbach, Oberndorf und Bischbrunn. In Steinmark und Kredenbach war die Tracht des Michelriether Kirchspiels der Wertheimer Grafschaft zuhause. Esselbach wechselte zusammen mit den benachbarten Dörfern Oberndorf und Bischbrunn bei den Männern etwa im 18. Jahrhundert von grünen auf blau gefärbte Überröcke, während in der Grafschaft die Farbe grün für die Arbeitstracht beibehalten wurde.
Durch die Poststation kamen häufig Reisende nach Esselbach. 1852 berichtet der damals 35jährige Engländer Charles Tylor von seiner “historical tour in Franconia in the summer” („Eine historische Reise in Franken“) von der damals hier allgemein getragenen Tracht der Männer und beschreibt sie als bei Jung und Alt identisch. Von ihm ist auch eine Skizze eines Esselbachers in Tracht überliefert, leider nur mit Ansicht von hinten. Auf dem Weg von Aschaffenburg nach Würzburg übernachtete er am 26. Juni in Esselbach. Er notierte, dass die Esselbacher Bauern in ihrem Sonntagsstaat „schwerfällig herumstolzierten“. Die Tracht der Männer beschrieb er wie folgt: einen großen, dreispitzigen Hut aus schwarzem Filz, einen langen, meist dunkelblauen Gehrock und hohe Stiefel. Die Frauen trugen Hauben aus gestärkter Seide mit hinten herabhängenden Bändern und dunkle Kleider. Im selben Jahr untersuchte übrigens der Arzt Rudolf Virchow im Auftrag der bayerischen Regierung die „Not im Spessart“. Auch Tylor hat davon sicher noch manches gesehen. So zeigte er sich verwundert, dass viele Frauen hart arbeiten mussten und dass Kröpfe verbreitet waren.
Die Zeichnung wurde für eine Festschrift der Heimat- und Wanderfreunde Oberndorf/Bischbrunn angefertigt.
Die Tracht der drei katholischen Grunddörfer wurde lange Zeit von der Trachtengruppe der Heimat- und Wanderfreunde bekannt gemacht.
Landgerichtsarzt Dr. Ludwig Döring, der als Bezirksarzt in Stadtprozelten tätig war, schreibt im Jahr 1861 über die Kleidung der Bewohner Esselbachs, Oberndorfs und Bischbrunns:
„Ein dreieckiger Hut, durchweg leinene grobe Hose, dergleichen Kittel, meistens Schuhe und eine schwarze baumwollene Halsbinde bilden den werktäglichen Habit. Im Winter wird noch eine solche leinene Hose als Unterhose benützt. Die Sonntagskleidung besteht aus einem großkrempigen dreieckigen Hute, einem blautuchenen dunklen langen Oberrocke, einer Sommerhose und einer tuchenen Weste. Silberne Knöpfe oder Schnallen sind nicht zu erblicken.
Ziemlich kurze Röcke, ein kurzes tuchenes Leibchen und Kittelchen, Stiefelchen von schwarzem oder dunkelblauem Tuche und ein sehr niedliches kleidsames Häubchen, insgemein aus rothem Stoffe mit schwarzen Bändern, des Werktags baumwollen, an Sonn- und Feiertagen seiden, verziert, unter welchem das üppige Haupthaar schön gescheitelt herausblickt, verleihen den Spessarterinnen ein hübsches Aussehen.
Die Werktagskleidung hat denselben Schnitt und besteht nur aus geringeren Stoffen, z.B. leinenen Kittelchen und gefärbten leinenen Röcken.“
Die Esselbacher Tracht vor dem historischen Pfarrhaus in Esselbach, gezeigt von den Heimat- und Wanderfreunden Oberndorf/Bischbrunn beim Jubiläumfestzug der Esselbacher Feuerwehr im Jahr 2005.
In Esselbach selbst kam man wegen des Einflusses der Poststation und der vielen Reisenden schon um 1880 vom Tragen der angestammten Tracht ab. Tracht war nicht mehr modern und man versuchte, sich wie die Städter aus den Postkutschen zu kleiden. In Bischbrunn und Oberndorf hielt sich die Tracht dieser drei Dörfer länger.
Dass die Tracht heute noch existiert, ist den Familien Bernhard und Klara Englert aus Aschaffenburg und Waldemar und Helga Engelhardt aus Oberndorf sowie den Heimat- und Wanderfreunden Oberndorf/Bischbrunn zu verdanken. Mit Unterstützung von Sammlern, Museen und Bürgern konnten teilweise in letzter Minute Trachtenteile gerettet und damit ein Stück Heimat und heimatlicher Kultur erhalten werden.
Bei den Heimat- und Wanderfreunden gab es zeitweise auch eine Kindertanzgruppe in Tracht.
Steinmark, Kredenbach, Michelrieth, Altfeld, Oberwittbach, Eichenfürst und Glasofen werden auch „Grafschaftsdörfer“ genannt. Die sieben einst zur Grafschaft Wertheim gehörenden, protestantischen Orte setzen sich nicht nur in ihrem Glauben von der Umgebung ab. Auch ihre Tracht setzt eigene Akzente.
Für einen Besuch des Königs Ludwigs III. von Bayern im Jahr 1914 in Würzburg wurde ein Festzug gestaltete, bei dem Steinmark zweifach beteiligt war. Es gab einen Festwagen „Rauchender Kohlenmeiler mit Köhler und Kohlhütte“ und es wurde ein „Hochzeitszug aus der Grafschaft“ in der alten Grafschaftstracht zusammengestellt. Da waren dann Brau- und Brautjungfern mit den Flitterkronen oder hohen Kränzen ebenso zu sehen wie Bräutigam, Burschen und Männer mit Dreispitz, Hirschlederhosen und Kamisol. Vom Kind bis zum Großvater waren etwa 60 Personen aus Steinmark beteiligt. Der Festzug wartete am 28. Juni bereits zwei Stunden in den Würzburger Straßen, als die Nachricht vom Mord am österreichischen Thronfolger in Sarajewo kam. Der Festzug wurde abgesagt. In der Folge kam es am 2. August 1914 zur Mobilmachung und zum Ersten Weltkrieg.
Insgesamt existierten zehn verschiedene Ausführungen der „Wertheimer Tracht“. Man trug sonntags nicht das Gleiche wie werktags, zog sich zum Tanz um und zum Kirchgang und putzte sich für das Abendmahl noch einmal anders heraus.
Bei den Frauen gab es eine alte und eine neue Tracht. Bei der alten Tracht waren die Mutzen, die kurzen Jacken, rot und hatten rote Knöpfe. Ein Leible (Mieder) hatte an jeder Seite dicke Wülste, durch die die Hüften besser zur Geltung kamen. Außerdem trugen diese Wülste die Last der Unterröcke. Dazu wurden geblümte Hauben getragen. Die Schultern bedeckte ein viereckiger Kragen aus Seide mit rundem Halsausschnitt. Der plissierte Oberrock der Frauen war mit der Hand in viele kleine Falten gelegt. Dazu wurden bis zu neun Unterröcke getragen, je nachdem, wie viele man besaß. Das Mieder,
Die neue Frauentracht kam Anfang der 1890er Jahre auf. Kappe, Mutze, weißes Halstuch und Faltenrock wurden unmodern. Es blieb nur noch das Leible mit schwarzem Samt und aufgestickten bunten Blümchen.
Trachten Hochzeitspaar: Die Kleidung eines Hochzeitspaars in Tracht war bei einer Ausstellung im Jahr 2010 im Marktheidenfelder Franckhaus zu sehen. Besonders auffälliges Prunkstück war die Hochzeitstracht der Frauen. Sie hat vor allem wegen der von bunten Seidenbändern gehaltenen Braut- oder Flitterkrone Berühmtheit erlangt. Der Kopfschmuck der Braut und Brautjungfern zieht alle Blicke auf sich. Das Tragen der Krone braucht viel Disziplin. Schon das fachkundige Aufsetzen dieser Krone verlangt Erfahrung und Geduld. Mit geschickten Fingern wird der sogenannte Hohe Kranz, eine Brautkrone aus Zierblumen und Glasschmuck, im Haar befestigt. Die Kopfbedeckung des Bräutigams, ein Dreispitz, wird mit aufwendigem Blumenschmuck aus Seidenblumen verziert.
Die Männer trugen als Festtagstracht einen langen blauen Rock, der über das Knie reichte, den so genannten Kamisol. Er war aus glänzendem Tuch, hatte breite Ärmelaufschläge und große Taschen. Im Trauerfall wurde über dem blauen Kamisol noch ein schwarzes getragen. Diese Kamisole wurden nicht geknöpft, sondern offen getragen.
Zur Männertracht gehörte eine ursprünglich weiße, nach längerem Tragen meist graue hirschlederne Kniebundhose. Die Dauerhaftigkeit dieser Hosen war nahezu unbegrenzt. An der Hochzeit beschafft, wurde sie meist bis ins Greisenalter getragen. Sie steckte in hohen Schaftstiefeln. Dazu kamen ein weißes, flachsgewebtes Hemd mit Umliegekragen, eine schwarze Schleifenhalsbinde und ein mächtiger Dreispitzhut. Am Werktag wurde im Sommer eine Schirmmütze, im Winter eine Pelzkappe aufgesetzt. Wie ein Umhang wurde ein langer weiter Radmantel getragen.
Im benachbarten Glasofen sammelten in den 1950er Jahren Karl Werner und der Lehrer Georg Furkel die in den Grafschaftsdörfern getragenen Volkstrachten. Unterstützung fanden sie dabei auch bei Johann Adam Mohr aus Michelrieth. Daraus entwickelte sich die Trachtengruppe „Die Glasf’lder“ als Sparte des Gesangvereins, die seit vielen Jahrzehnten stolz ihre Tracht präsentiert.
Ein im Jahr 1940 in Steinmark nachgestelltes Trachtenbild. Man sieht in der Mitte einen Burschen mit Grünkittel und Pelzkappe.
Wegen der grünen Kittel ihrer Alltagstracht wurden die Grafschaftler früher „Laubfrösche“ genannt. Der Überlieferung nach brachen die Wertheimer Gassenbuben im 19. Jahrhundert wegen dieser Bezeichnung gar in lautes „Quak quak“ aus, wenn sie einen Spessartbauern im grünen Rock trafen. Heute heißt in Erinnerung daran der Altfelder Karnevalsverein die „Laabfrösch“. Bei Regenwetter war der Grünkittel ein unbequemes Kleidungsstück, das sich mit Wasser voll saugte.
Unter Kamisol oder Grünkittel leuchtete „das Brusti“, eine Weste mit zwei Reihen Silberknöpfen mit 12 bis 15 Knöpfen pro Reihe, also insgesamt bis zu 30 Knöpfen. Das Brusti wurde lediglich beim Tragen des schwarzen Trauer-Kamisols weggelassen. Für die Steinmarker erfüllten diese Knöpfe auch die Aufgabe des Schoppenmerkens. Und das ging so:
Statt nach dem Kirchgang beim Wirt in Michelrieth anzuschreiben, wurde für jedes geleerte Schoppenglas ein Knopf geöffnet. Dabei soll es nicht nur einmal vorgekommen sein, dass noch ehe der Durst gestillt war, alle Knöpfe offen standen; bei bis zu 30 Knöpfen eine reife Leistung.
In der Grafschaft wurde die Männertracht allgemein bis zum ersten Weltkrieg, die Frauentracht vereinzelt bis etwa 1930 getragen.
Anfang der 1920er Jahre gab der Historische Verein Alt-Wertheim unter dem Titel „Volkstrachten aus dem Spessart“ eine Serie aus sechs Postkarten mit Fotos von Trachtenträgern aus der Grafschaft heraus:
Text und Bilder: Ernst Dürr
Der Raum um Esselbach war von jeher eine Grenzregion. Hier trafen die Wertheimer und die Rienecker Grafen mit ihren Rodungs- und Kolonisierungsmaßnahmen auf die Mainzer Kurfürsten und hier versuchte später auch das Hochstift Würzburg einen Happen vom Spessart zu bekommen.
All diese Herren verfügten im Mittelalter in den Grundorten über Grundbesitz und die zugehörigen Leute. Dabei war die Zugehörigkeit zur Herrschaft manchmal nur auf einen Hof oder den Teil eines Hofes beschränkt. Und noch komplizierter: ein Bauer konnte sogar mehrere Grundherren haben. Fast schon so etwas wie eine doppelte Staatsbürgerschaft heute.
Welche Mitspieler gab es bei uns?
Die Rienecker Grafen hatten ihre Leute in Esselbach und Oberndorf angesiedelt.
Die Wertheimer Grafen zählten Steinmark und Kredenbach zu ihrem Territorium und hatten zunächst auch größeren Grundbesitz und Leibeigene in Esselbach und Oberndorf.
Das Erzstift Mainz saß in Bischbrunn und hatte erheblichen Einfluss in Esselbach mit Oberndorf.
Das Hochstift Würzburg, der Staat der Würzburger Fürstbischöfe, verfügte zunächst nur über wenig Einfluss.
Die Rienecker fielen schon früh aus
Im Jahr 1333 starb die Rothenfelser Linie der Rienecker Grafen aus. Damit wurden die Einflüsse neu verteilt. Bis dahin hatten die Rienecker Grafen Esselbach als mainzisches Lehen. Nunmehr war der Ort auch weltlich den Mainzern unterstellt.
Die Würzburger schufen aus dem Erbe der Rienecker im 14. und 15. Jahrhundert das Amt Rothenfels, zu dem dann später auch Esselbach und Oberndorf gehörten.
Bischbrunn blieb unter Mainzer Einfluss, Steinmark und Kredenbach unter Wertheimer Oberhoheit.
Diese Aufteilung der Grundgemeinden unter würzburgische, mainzische und wertheimische Herrschaft sollte mehrere Jahrhunderte Bestand haben.
Die Löwensteiner übernahmen
1803 wurden auf französischen Druck die geistlichen Fürstentümer in Deutschland säkularisiert. Sie dienten denjenigen Fürstenhäusern als Entschädigung, die aufgrund der französischen Expansion linksrheinische Gebiete verloren hatten. Dazu zählten auch die beiden Linien Löwenstein-Wertheim. Die katholische Linie erhielt vom Hochstift Würzburg unter anderem das Amt Rothenfels mit Esselbach und dem nun schon selbstständigen Oberndorf. Die evangelische Linie hatte Steinmark und Kredenbach schon lange zuvor aus dem alten Erbe der Wertheimer erhalten.
Bischbrunn wechselte vom aufgelösten Kurmainz ins neue Fürstentum Aschaffenburg.
Die Grunddörfer werden bayrisch
Bei diesen Veränderungen sollte es jedoch nicht bleiben, denn schon drei Jahre später, im Jahre 1806, löste sich das Heilige Römische Reich Deutscher Nation auf und kleinere Fürstentümer gingen in größeren Staaten auf. Das traf auch die beiden Löwensteiner Staaten. Im Mainviereck kamen alle Dörfer zum neuen Großherzogtum Frankfurt, das den gesamten Spessart erfasste. Diese gehörten erstmals in ihrer Geschichte einem gemeinsamen Staat. Ende 1813 wurde auch dieses Staatsgebilde wieder aufgelöst und nach einem kurzen österreichischen Zwischenspiel kam das gesamte Mainviereck und mit ihm die fünf Grunddörfer im Jahr 1814 zu Bayern.
Esselbach und Oberndorf – eine besondere Beziehung
Bis 1708 bildeten Esselbach und Oberndorf eine gemeinsame Gemeinde. Abwechselnd stellten die beiden Orte den Schultheißen. Selbst der Oberndorfer Ortsname erklärt sich aus der Beziehung und Lage der Ortschaft zu Esselbach: Oberndorf ist schlichtweg das obere Dorf von Esselbach.
Zu einer politischen Einheit zurückgefunden haben die Dörfer nach der Trennung im Jahr 1708 nicht mehr.
Die Gebietsreform veränderte das Bild
Auch in der bayerischen Gebietsreform der 1970er Jahre kamen Esselbach und Oberndorf nicht mehr zusammen, obwohl sie in Geschichte und Konfession miteinander mehr Gemeinsamkeiten haben als jeweils mit den anderen Grunddörfern Bischbrunn, Kredenbach und Steinmark.
So schloss sich im Jahr 1978 das einstmals würzburgische Oberndorf mit dem früheren Kurmainzer
Außenposten Bischbrunn zusammen, während das katholische und würzburgische Esselbach mit seinen protestantischen und früher wertheimischen Nachbarn Kredenbach und Steinmark zusammenging. In beiden Fällen wurden nicht nur uralte Dorf- und Gemeindegrenzen übersprungen, sondern auch frühere Landesgrenzen, die die Unterschiede seit Jahrhunderten zementiert hatten. Zwischen Esselbach, Kredenbach und Steinmark kamen zudem noch die früher unüberbrückbaren
Konfessionsgrenzen.
Erklärungsversuche für die Gebietsreform-Entscheidungen gibt es viele. So war die schließlich umgesetzte Lösung wohl für die zentraler gelegenen Orte Esselbach und Oberndorf am vorteilhaftesten. Esselbach konnte mit den beiden kleineren Orten Kredenbach und Steinmark eine Einheitsgemeinde bilden, der es Sitz und Namen gab. Alle gemeindlichen Einrichtungen wurden in Esselbach zentralisiert. Oberndorf wiederum hat der neuen Einheitsgemeinde Bischbrunn zwar nicht den Namen gegeben, erhielt jedoch Rathaus und Schule.
Möglicherweise verfügten Kredenbach und Bischbrunn damals auch über die durchsetzungsfähigeren
Kommunalpolitiker. In Kredenbach wohnte der spätere Esselbacher Bürgermeister Willi Hofmann und in Bischbrunn der spätere Bürgermeister der neuen Gemeinde Bischbrunn, Heinrich Krebs. Beide konnten sich bei den ersten Wahlen der Einheitsgemeinden im Jahr 1978 gegen Kandidaten der damals eigentlich dominanten Partei CSU aus Esselbach bzw. Oberndorf durchsetzen.
Kirchlich sind heute sind alle Grunddörfer in einer katholischen Pfarreiengemeinschaft
zusammengeschlossen, die evangelischen Einwohner alle werden von der Pfarrei Michelrieth betreut.
Christian Dinkel | Seit 01. Mai 2026 |
Richard Roos | Vom 23. Juli 2013 bis 30. April 2026 |
Siegfried Kuntscher | Vom 1. Mai 2013 bis zum 22. Juli 2013 übernahm der 2. Bürgermeister Siegfried Kuntscher kommissarisch die Amtsgeschäfte. |
Klaus Hofmann | 1. Mai 2002 bis 30. April 2013 |
Franz Ruck | 1. Mai 1990 bis 30. April 2002 |
Willi Hofmann | 1. Mai 1978 bis 30. April 1990 |
Vor der Gebietsreform: | ||
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Bürgermeister der Gemeinde Esselbach | Oskar Roos | 1. Mai 1966 bis 30. April 1978 |
Bürgermeister der Gemeinde Kredenbach | Willi Hofmann | 1. Mai 1966 bis 30. April 1978 |
Bürgermeister der Gemeinde Steinmark | Erwin Fertig | 1. Mai 1966 bis 30. April 1978 |
Im 18. Jahrhundert war Esselbach eine der größten Post-Stationen Deutschlands. Auch Napoleon Bonaparte machte hier Station. Das Napoleon-Zimmer steht noch heute Besuchern offen.
Esselbach trägt das Posthorn im Wappen. Das Symbol erinnert heute an die einst bedeutende Lage der Gemeinde an der Poststraße zwischen Würzburg und Frankfurt (sie war die Ost-West-Verbindung des karolingischen Reiches). Die Esselbacher Poststation hat lange Jahre die Geschicke der Gemeinde geprägt: 1615 wurde sie in Esselbach errichtet. Erst im Jahre 1690 jedoch konnte die von den Fürsten des Hauses Thurn und Taxis gebaute Poststraße auch mit Kutschen befahren werden, vorher wurde geritten. Die Posthalterfamilien Väth, Dürr, Winheim und Hertlein haben in der Esselbacher Ortsgeschichte über Jahrhunderte eine herausragende Rolle gespielt.
Im Jahr 1690 begann mit dem regelmäßigen Postverkehr in Esselbach ein wirtschaftlicher Aufschwung der Gemeinde: Sechs Schmiede, dazu Seiler und Wagner wurden gebraucht, um die Postkutschen zu versorgen. Auch wurde ein Ladengeschäft eröffnet und ein Gasthaus: „Zum Schwarzen Adler“. Darin stiegen damals bedeutende Persönlichkeiten wie Kaiser Franz II., Zar Alexander I., Napoleon Bonaparte, König Ludwig I. von Bayern oder Fürst Metternich ab.
In dieser Zeit machten die berüchtigten und heute noch berühmten Spessart-Räuber die Strecken der Postkutschen unsicher. Viele Reisende bevorzugten daher die längere Schiffs-Reisestrecke auf dem Main.
Im 18. Jahrhundert erlebte die Poststation ihre Blütezeit – Esselbach war eine der größten Poststationen Deutschlands. 40 bis 50 Pferde mussten stets bereit gehalten werden, um Kutschen, Kurieren und Eilkutschen ausgeruhte Tiere anspannen zu können.
Ein trauriges Kapitel und einen großen Einbruch in die Esselbacher Betriebsamkeit stellte die Pferdekrankheit dar – viele Familien, die Poststationen betrieben, wurden dadurch im ganzen Land in den Ruin getrieben. Am heutigen Wald-Sportplatz des FSV Esselbach gibt es noch Spuren der Schindkaute, also des privaten Pferde-Friedhofes der Poststation.
In den Jahren 1912 und 1913 wurde die Poststation in Esselbach aufgelöst. Die wichtigsten Gründe dafür waren die Industrialisierung und – damit einher gehend – die Ausbreitung der Eisenbahn.
Im Steinmarker Wald, etwa 3 Kilometer nordöstlich vom Dorf, befindet sich eine Höhle. Sie gilt als Naturdenkmal, steht unter Schutz und gehört der Gemeinde Esselbach. Von außen sieht sie eher unscheinbar aus, ein fast kreisrundes Loch, das etwa 2 Meter tief senkrecht in den Boden führt. Doch hat diese Klufthöhle, wie sie im Buntsandsteinuntergrund sehr selten anzutreffen ist, zu allen Zeiten die Phantasie der Menschen angeregt. Möglicherweise nicht zu Unrecht, denn schließlich wurden in ihrem Inneren sogar Steinbeile gefunden, die auf die Nutzung schon in der Jungsteinzeit schließen lassen. Dabei ist wohl eher an eine Kult- als an eine Wohnhöhle zu denken, also an ein altes heidnisches Heiligtum. Früher war die Höhle weiter begehbar. Von Erzählungen wissen wir, dass es einen großen kuppelförmigen Raum gegeben haben muss, der heute verschüttet ist. Von diesem Raum gibt es die Überlieferung, dass die Steinmarker dort im Dreißigjährigen Krieg überlebt haben sollen. Ein Schwedenreiter, der beim Verfolgen eines Bauern in die Höhle stürzte, soll dort heute noch herum spuken.
Noch früher soll die Höhle sogar dem deutschen Kaiser Heinrich IV. als Unterschlupf gedient haben. Die Vermutung einer Kulthöhle, von der man nach der Christianisierung nur noch verschlüsselt erzählen durfte, wird durch diese außerordentliche Vielzahl an Sagen bestärkt, die sich um das Schächerloch ranken. Da hausen wilde Männer im Wald, die Frauen und Kinder rauben und es gibt Geschichten, nach denen Menschen plötzlich im Boden versinken. Ein „Aufhuckermännchen“ macht nächtlichen Wanderern das Leben schwer. Neben den Zimmerleuten in der hier erwähnten Erzählung gibt es im Schächerloch weitere mysteriöse Schatzhüter, so einen räuberischen Riesen, einen lichtscheuen Alten mit roten Augen und einen kleinen grauen Vogel. Trotzdem gab es nicht nur von den ortsansässigen Steinmarkern immer wieder Versuche, den angeblichen Schatz zuheben. So ist urkundlich nachgewiesen, dass im Jahr 1808 einige Männer aus dem 30 Kilometer entfernten Laufach dies erfolglos probiert haben. Die Teilnehmer dieser Schatzgräberwallfahrt kommen sogar wegen Aberglaubens vor Gericht. Dabei bezeichnet der zuständige Beamte das Schächerloch als „die Wallfahrt aller Schatzgräber“.
Eine von vielen Sagen über das Schächerloch
Einst wollten die Steinmarker den Schatz im Schächerloch heben. So gingen sie in einer Vollmondnacht – der Dorfschulze voran – mit Hacke und Spaten hinaus in den Gemeindewald. Als sie an der Stelle waren, wo die Gold- und Silbermünzen verborgen sein sollten, sagte der Schulze: „Wir stellen vor das Loch eine Wache, damit uns niemand bei der Arbeit stört.“ Also blieben drei Ortsbürger außen stehen, jeder hielt einen Prügel in der Hand, so groß wie ein Schälscheit. Der Schulze stieg mit noch ein paar Männern ins Schächerloch hinunter und sie gruben drauf los. Die drei Wächter aber sahen plötzlich mehrere dunkle Gestalten, die Baumstämme heran trugen und begannen, die Bäume zu behauen. Sie hämmerten, schlugen und schlitzten wie gelernte Zimmerleute. Hernach richteten sie aus den Stämmen einen Galgen auf. Die drei Wachestehenden sahen alles mit an, redeten aber nichts, weil man ja beim Schatzsuchen keine Silbe sprechen darf. Und die unheimlichen Fremden schwiegen ebenfalls. Als jedoch der Galgen fertig stand, sagte einer von ihnen: He, wen wollen wir zuerst hängen, den mit dem roten Wams?“ Als die drei das hörten, warfen sie ihre Prügel fort und rannten spornstreichs ins Dorf zurück. Von dem Schulzen aber und den übrigen, die mit ihm ins Loch hinunter gestiegen sind, hat niemand jemals mehr etwas gehört oder gesehen.
Einleitung: Fast 500 Jahre ist die ritteradelige Familie von Espelbach aus dem Dorf Esselbach (Landkreis Main-Spessart) in den historischen Quellen nachweisbar. Auf ihre Spuren begab sich Gertrud Nöth (Esselbach) und zeichnete den Werdegang der Familie von 1182 bis 1644 nach. Die Espelbach’schen Fußabdrücke finden sich nicht nur in der näheren Umgebung von Esselbach, sondern reichen vom sizilianischen Palermo bis zum friesischen Harlingen. Nach jetzigem Kenntnis- und Forschungsstand sind die Espelbach die einzigen Niederadeligen im Altlandkreis Marktheidenfeld, die sich über einen Zeitraum von über 460 Jahren nach ihrem Herkunftsort nennen. Die Gemeinde Esselbach hat die Forschungsarbeit jetzt als ersten Band zur Geschichte des Dorfes im Südost-Spessart herausgegeben.
Von Gertrud Nöth, Esselbach
„waß ich vor ain khlains küniglin were“, das „am end der welt wone“ – diese Zeilen stammen aus der Feder des kaiserlichen und königlichen Kriegskommissars, Ritters und „Eques Auratus“ Georg von Espelbach in einem Brief an seinen Nürnberger Freund Hans Rieter von Kornburg. Verfasst wurde dieser Brief im Jahr 1561 im friesischen Harlingen. Zu diesem Zeitpunkt ist Georg 49 Jahre alt, Drost (in etwa Kommandant, Bürgermeister, Richter) auf der Festung im friesischen Harlingen und Grietman (in etwa Landrat) der Region Barradeel, frisch verheiratet mit der gut 30 Jahre jüngeren Katharina van Dekema, älteste Tochter des friesischen Ritters, Ratsherrn, Obersten Richters und Mitglieds des Ordens vom Goldenen Vlies sowie Doktor beider Rechte, Sixtus van Dekema aus Leeuwarden. Doch wie kommt ein Ritter mit Namen von Espelbach nach Harlingen und in diese Position? Der Reihe nach.
Die Entwicklung der Herren von Espelbach mag exemplarisch für weitere ritteradelige Familien stehen, die im 12./13. Jahrhundert erstmalig in Urkunden sichtbar werden, eine Blütezeit erleben und dann im Mannesstamm erlöschen. Häufig mangelt es an Quellen, um ihre teils kurzen, teils langen Wege nachzuzeichnen. Bei den Espelbach fehlt ein Familienarchiv. Doch sind sie nach jetzigem Kenntnis- und Forschungsstand die einzige Niederadelsfamilie im Altlandkreis Marktheidenfeld, die sich über einen Zeitraum von nachweislich über 460 Jahren nach ihrem Herkunftsort, Esselbach, nennt.
Zunächst wenig spektakulärer Start
1182 testiert Heinrich von Espelbach mit anderen geistlichen und weltlichen Zeugen ein Rechtsgeschäft des Würzburger Bischofs. Dies bedeutet, dass der Ort Esselbach zu dieser Zeit bereits existierte. Gleichzeitig ist Esselbach Grenzgebiet zwischen den sich ausbreitenden Machtblöcken Würzburg und Mainz, auch wenn das Reichskloster Fulda um 1150 noch Anspruch auf das im Jahr 839 ertauschte Gebiet erhebt. Durch den Ort führt die Altstraße „Via Publica“. In unmittelbarer Nähe, bei Bischbrunn, kreuzt die „Via Publica“ die Nord-Süd-Verbindung „Heristrata“. Esselbachs Bedeutung liegt in seiner strategischen Lage, so dass das Hochstift Würzburg es für zwingend erforderlich hält, hier einen eigenen Ministerialen zu platzieren. Dieser Stand rekrutiert sich aus den einstmals unfreien Dienstmannen, aus deren Reihen sich sukzessive im 12. und 13. Jahrhundert der freie Niederadel formiert. Sie werden dann beispielsweise als „miles“ oder „Ritter“ bezeichnet – wie auch die Espelbach. Um ihre Kriegs-, Hof- und Verwaltungsdienste auszuüben, erhalten sie Dienstlehen. Das Dienstlehen der Espelbach befand sich in Esselbach im „Hofgut“, das mit seinen mehr als 35 Hektar groß genug war, sowohl die Familie als auch die Bediensteten zu ernähren. Hier dürfte die Keimzelle von Esselbach anzusetzen sein und hier dürfte sich auch der Sitz der Familie Espelbach befunden haben. Ob es eine Kleinburganlage war oder ein befestigter Sitz bestehend aus Wohnhaus bzw. Wohnturm und Wirtschaftsgebäuden, ist heute anhand der Quellenlage letztlich nicht zu bestimmen. Letzte Reste einer mittelalterlichen Anlage sind heute noch am neuen Dorfgemeinschaftshaus sowie an der Kirche Richtung der Freizeitanlage „Weed“ zu sehen. Mit Aufstieg in den Niederadel werden an die Espelbach auch vererbbare sogenannte Mannlehen vergeben
Im 13. und 14. Jahrhundert vermehren die Espelbach sowohl ihr Eigentum (Allodialbesitz) als auch ihren Lehenbesitz. So verfügen sie über Allodialbesitz beispielsweise in Marktheidenfeld, Karbach oder Aschfeld. Die Familie verzweigt sich, zu Beginn des 14. Jahrhunderts gibt es mindestens zwei Familienzweige, hervorgegangen aus der beiden Brüdern Heinrich und Konrad von Espelbach. Ihr größter Lehengeber stellt das Hochstift Würzburg dar, doch treten sie auch in Vasallenverhältnisse zu den Grafen von Henneberg, den Grafen von Wertheim und den Herren von Hohenberg (Homburg ob der Wern) ein. Burggüter in Laudenbach, auf der Karlsburg und auf der Homburg ob der Wern gehören zu den Espelbach’schen Lehen. Ihr Lehenbesitz mit Einkünften und Rechten, bestehend unter anderem aus Zehnten, Getreideabgaben oder Einkünften von Äckern, Wiesen und Weinbergen, reicht bis Wittershausen (Oberthulba, Nr. 27 auf der Karte), Schweinshaupten (Bundorf, Nr. 38 auf der Karte), Wülflingen (Haßfurt, Nr. 40 auf der Karte) und Ochsenfurt (Nr. 42 auf der Karte). Weitere Lehen befinden sich auf der Marktheidenfelder Platte und um Karlstadt. Insgesamt sind 50 Ortschaften dokumentiert, in denen die Familie von Espelbach Lehenbesitz hat. Über Eigentum verfügen die Espelbach etwa in Marktheidenfeld (Nr. 5), Karbach (Nr. 11) oder Aschfeld (Nr. 10).
Auf dieser Karte sind die Orte eingetragen, in denen die Ritter von Espelbach bis ca. 1385/1400 über Eigentum oder Lehen verfügten. (Quelle: Archäologisches Spessartprojekt, Dr. Jürgen Jung)
| Nummer auf der Karte | Ort | A = Eigentum oder Lehenbesitz, der nicht eindeutig einem Lehenherrn zuzuordnen ist | B = Lehen vom Hochstift Würzburg | C = Lehen von den Grafen von Henneberg | D = Lehen von den Herren Hohenberg (Wern) | E = Lehen von den Grafen von Wertheim |
| 1 | Hundsfeld (LK Bad Kissingen) | A1 | ||||
| 2 | Gössenheim | A2 | D5 | |||
| 3 | Halsheim (Gem. Arnstein) | A3 | ||||
| 4 | Marbach (Gem. Arnstein) | A4 | ||||
| 5 | Marktheidenfeld | A5 | E6 | |||
| 6 | Stetten (Karlstadt) | A6 | B6 | |||
| 7 | Wiesenfeld (Karlstadt) | A7 | D1 | |||
| 8 | Laudenbach (Karlstadt) | A8 | E1 | |||
| 9 | Billingshausen (Gem. Birkenfeld) | A9 | E2 | |||
| 10 | Aschfeld (Gem. Eußenheim) | A10 | C2 | D3 | ||
| 11 | Karbach | A11 | E3 | |||
| 12 | Löllbach (Wüstung bei Karbach) | A12 | ||||
| 13 | Esselbach | B1 | ||||
| 14 | Michelrieth (Marktheidenfeld) | B2 | ||||
| 15 | Oberwittbach (Markheidenfeld) | B3 | ||||
| 16 | Karlstadt mit Vldekel (?), Kalbenstein | B4 | ||||
| 17 | Karlburg (Karlstadt) | B5 | ||||
| 18 | Mühlbach (Karlstadt) | B7 | ||||
| 19 | Thüngen | B8 | ||||
| 20 | Gräfendorf | B9 | ||||
| 21 | Hurzfurt (bei Gräfendorf) | B10 | ||||
| 22 | Schönarts (Gem. Eußenheim) | B11 | ||||
| 23 | Sommerhof (Lohr-Halsbach) | A13 | B12 | D4 | ||
| 24 | Massenbuch (Gemünden) | B13 | ||||
| 25 | Bocksberg * | B14 | ||||
| 26 | Euerdorf | B15 | ||||
| 27 | Wittershausen (Gem. Oberthulba) | B16 | ||||
| 28 | Elfershausen | B17 | ||||
| 29 | Niederwern | B18 | ||||
| 30 | Oberwern | B19 | ||||
| 31 | Schonungen (inkl. Ortsteile Forst, Abersfeld, Waldsachen, Löffelsterz Reichmannshausen, Marktsteinach) | B20-26 | ||||
| 32 | Euerheim (Gem. Grettstadt) | B27 | ||||
| 33 | Gochsheim | B28 | ||||
| 34 | Holzhausen (Gem. Dittelbrunn) | B29 | ||||
| 35 | Schweinfurt | B30 | ||||
| 36 | Euerbach | B31 | ||||
| 37 | Rheinfeld (unklar ob Berg-, Grafen- oder Kleinrheinfeld) | B32 | ||||
| 38 | Schweinshaupten (Gem. Bundorf) | B33 | ||||
| 39 | Untertheres | B34 | ||||
| 40 | Wülflingen (Haßfurt) | B35 | ||||
| 41 | Gädheim | B36 | ||||
| 42 | Ochsenfurt | B37 | ||||
| 43 | Frickenhausen | B38 | ||||
| 44 | Winterhausen | B39 | ||||
| 45 | Seligenstadt (Gem. Prosselsheim) | B40 | ||||
| 46 | Ramsthal (Gem. Euerdorf) | C1 | ||||
| 47 | Kaisten (Gem. Wasserlosen) | C3 | ||||
| 48 | Wernfeld (Gemünden) | A14 | D2 | |||
| 49 | Birkenfeld | E4 | ||||
| 50 | Urspringen | E5 | ||||
Die Ruine Karlsburg heute – hier hatten die Ritter von Espelbach zwei Burglehen des Würzburger Bischofs inne (Foto: Gertrud Nöth)
Veränderungen erzwingen Umorientierung
Politische und gesellschaftliche Veränderungen um 1400 veranlassen viele Niederadelsfamilien zum Umdenken: Grundherren sind bestrebt, ihre Territorien abzurunden, kleinere Herrschaften darin aufzulösen bzw. sie sich einzuverleiben. Hinzu kommen die zahlreichen aufstrebenden Städte mit Handel und Gewerbe sowie Veränderungen im militärischen Bereich, die Söldnerheere entstehen. Für die Ritter, deren Kerngeschäft das Kriegshandwerk war, bleiben vornehmlich militärische Führungspositionen. So verkaufen Konrad von Espelbach und sein gleichnamiger Sohn 1385 „alle myne armen lute, sie sin eygen oder nicht, wo die gesessen sin in den amten gerichten vnd centen … zu Rotenfels, zu Hohenburg [hier Homburg am Main, Anm. d. V.] zu Karelstat“. Einige überlieferte Urkunden berichten von Lehenverkäufen der Espelbach innerhalb des Würzburger Lehenhofs. Burkard, Götz und Hans von Espelbach verkaufen bzw. verzichten auf ihre Karlsburger Burggüter. Die Lehenverhältnisse zum Hochstift Würzburg, zu den Grafen von Henneberg und den Herren von Hohenberg, bzw. deren Nachfolger von Bickenbach, enden. Bis mindestens 1454 dauert das Lehenverhältnis mit den Grafen von Wertheim an. „Die gut zu Espelbach“, das dürfte das „Hofgut“ sein, wird 1373 an Hans von Grumbach als Mannlehen vergeben. Die Einträge zur Familie von Espelbach hören auch in den Würzburger Protokollen des kaiserlichen Landgerichts Ende des 14. Jahrhunderts vollständig auf. Ab jetzt dürfte die Verbindung der Ritter von Espelbach zu ihrem Herkunftsort nur noch in ihrem Namen bestanden haben.
Neue Chancen im und durch den Deutschen Orden
Die oft verklärten Raubritter finden sich bei den Espelbach bisher nicht. Auch wählen sie nicht den Weg in die dem Kaiser unterstellte Reichsritterschaft. Vielmehr nutzen sie die Gunst der Stunde für einen Berufs-, Orts- und Arbeitgeberwechsel: Sie suchen und finden eine Bindung zum Deutschen Orden. Eine Bilderbuchkarriere legte dabei Peter von Espelbach hin. Sein Weg innerhalb des Ritterordens kennt nur eine Richtung: nach oben. Als Komtur der Kammerkommende Weißenburg (Elsaß) taucht er erstmals 1413 auf. Nach der Führung der Kommende Marburg, die unter anderem auch die Wallfahrtsstätte der heiligen Elisabeth von Thüringen betreute, fungiert er zunächst als Komtur auf der Burg Horneck (LK Heilbronn, im Bauernkrieg zerstört), die direkt dem Deutschmeister unterstellt war. Sein nächster Karriereschritt führt ihn nach Frankfurt-Sachsenhausen. Die Führung dieser Kommende galt nach dem Amt des Hochmeisters und Deutschmeisters als die höchste Position innerhalb des Deutschen Ordens im Deutschen Reich. Ein besonderes Verhältnis pflegte Peter von Espelbach offenkundig mit dem damaligen Deutschmeister Eberhard von Seinsheim, Spross der unterfränkischen Seinsheim-Familie. Er beförderte Peter von Espelbach zum Generalvisitator des Deutschen Ordens für die italienischen Balleien Apulien und Sizilien. Das letzte Lebenszeichen des Peter von Espelbach datiert vom November 1430 aus Palermo. Vermutlich 1431 starb er am 14. Juli auf dieser Visitationsreise durch die beiden süditalienischen Provinzen. Leider ist sein Begräbnisort bisher unbekannt.
Der Deutsche Orden stellt auch die Eintrittskarte für die Familie von Espelbach in die freie und Reichsstadt Dinkelsbühl dar. Die Abwanderung von Niederadelsfamilien in Städte gehört mit zu den Zeichen der Zeit um 1400. Andere Familien vereinen sich, wie erwähnt, in der Reichsritterschaft, die dem Kaiser unterstellt ist. Besonders Großfamilien im Würzburger Lehenhof versuchen, Niederadelige in ihrem Herrschaftsbereich landsässig zu machen, sie damit der eigenen Gerichtsbarkeit zu unterwerfen. So manche Familie zog dies einer Verbürgerung in der Stadt vor. Dies hätte für die Familie Espelbach bedeutet, dass ihr freier Zugang beispielsweise zum kaiserlichen Landgericht in Würzburg verlorengegangen wäre.
1422 ist in Dinkelsbühl erstmals ein Hans von Espelbach als Amtmann des Deutschen Ordens dokumentiert. Bei ihm handelt es sich vermutlich um einen Bruder des oben genannten Komturs Peter (I) von Espelbach. Der Wechsel dürfte demnach kein Zufall gewesen sein. Deutscher Orden und die Stadt Dinkelsbühl hatten jeweils für „fünf Jahre einen Schirmvertrag über das Bürgerrecht des Bruders oder auch eines Laien“ geschlossen. Damit genoss der Vertreter des Ordens die Privilegien des Bürgerrechts, war jedoch dem Rat der Stadt zum Gehorsam verpflichtet. Über mehrere Generationen sind die Espelbach fester Bestandteil im städtischen sozialen und gesellschaftlichen Gefüge: als Mitglieder des Rats, Vögte und Pfleger des Deutschen Hauses oder Vorsteher der Viertelmannschaften für Kriegs- und Wachdienste. Sie verheiraten sich standesgemäß in arrivierte Dinkelsbühler Bürgersfamilien, auch in Nürnberger Patrizierfamilien, wie etwa die Familie Gugel. Dorothea von Espelbach geht 1494 mit Christoph Gugel sen. die Ehe ein und hat neun Kinder mit ihm. Christoph Gugel gehörte zum Rechtsberaterkreis der Kaiser Maximilian I. und Karl V.
Die im Bauernkrieg zerstörte Reichelsburg heute – hier arbeitete Peter (II) von Espelbach im 15. Jahrhundert in Diensten des Reichserbkämmerers Konrad von Weinsberg. (Foto: Gertrud Nöth)
Steinerne erhaltene Zeugnisse ihrer festen Verortung und ihres Standesbewusstseins sind heute noch in der Sankt-Georg-Kirche in Dinkelsbühl zu erkennen: Margarethe von Espelbach und ihr Ehemann Konrad Kurr stiften 1480 das Sakramentshaus, das heute als eines der schönsten in Franken gilt. Konrad Kurr, seines Zeichens Bürgermeister und Mitglied des Rats, übt den Beruf des Tuch- und Lodenmachers aus – zu dieser Zeit eines der wohlhabendsten Gewerbe in Dinkelsbühl. Das Wappen der Familie Kurr ziert neben anderen heute noch das Rathaus der Stadt. An der Südseite des Langhauses der Sankt-Georg-Kirche ist heute auch noch die Inschriftentafel angebracht, die an Jakob von Espelbach und seine wohl erste Frau Barbara Helchner erinnert. Vermutlich im Jahr 1587 stirbt mit Kunigunde von Espelbach die letzte Vertreterin der Espelbach-Familie in Dinkelsbühl.
Höhepunkt der Familiengeschichte
1512 wird in Dinkelsbühl der eingangs zitierte Georg von Espelbach geboren. Über seine Jugend ist bisher nichts bekannt. 1543 tritt er in die Dienste des neu gewählten Deutschmeisters Wolfgang Schutzbar, genannt Milchling. Mindestens ab 1546 bis 1555 ist Georg als Kriegskommissar des Kaisers Karl V. nachweisbar, demnach muss er eine entsprechende Ausbildung genossen haben. Er nimmt an Kriegszügen in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Ungarn teil, hebt Truppen aus und ist für deren Bezahlung (Stichwort Kriegskasse) verantwortlich. Kurz vor seiner Resignation bestätigt Kaiser Karl V. in Brüssel im Oktober 1555 Georg von Espelbach „sein uhralt erblich wappen und clainot, so seine voreltern und er von vilen undencklichen jahren hero gefuert“ und verleiht der Familie weitere Rechte, Freiheiten und Privilegien, wie beispielsweise die Freiheit vor fremden Gerichten, Schlösser zu bauen und sich danach zu benennen, Mühlen, Badstuben oder Schenken zu errichten, die Lehengerechtigkeit oder die Freizügigkeit. Mit dieser Bestätigung ist gleichzeitig eine Wappenbesserung und Standeserhöhung verbunden. Kaiser Karl V. stellt Georg von Espelbach unter seinen Schutz und Schirm. Dies bedeutet zum Beispiel, dass Georg den kaiserlichen Adler und das kaiserliche Wappen mit abdrucken darf, wenn er an seinen Besitzungen Veröffentlichungen anschlägt. Gleichzeitig wird Georg von Espelbach zum „Eques Auratus“ ernannt. Bei den Rittern vom güldenen Sporn handelt es sich um einen geschlossenen Personenkreis, der sich als Funktionselite überwiegend aus dem ritterbürtigen Niederadel rekrutierte. Bei den bisherigen Forschungen sind rund 170 Vertreter der „Equites Aurati“ bekannt geworden, darunter besonders zahlreiche Niederadelige aus Franken. Als Beispiele seien hier Ulrich von Hutten oder Sebastian von Rothenhan genannt.
Während sich die Spuren anderer Familienzweige verlieren, überträgt König Philipp II. von Spanien (Sohn Karls V.) Georg von Espelbach unter anderem das Amt des Drost (Drossard) in der Stadt und Festung Harlingen in Friesland. Die aufständischen Zeiten in den spanischen Niederlanden erfordern loyales katholisches Personal an strategisch wichtigen Punkten, wie eben in Harlingen an der Einfahrt zur damaligen Zuidersee (heute IJsselmeer). Ein besonders enges Verhältnis pflegt Georg von Espelbach mit Viglius van Aytta van Zuychem. Die beiden kannten sich vermutlich seit dem Schmalkaldischen Krieg 1546. Viglius avancierte zum engsten Rechtsberater Kaiser Karls V., stand dem Staatsrat in Brüssel vor und gehörte zum Ordern der Ritter vom Goldenen Vlies. Er bahnte nicht nur Georgs Ehe mit Katharina van Dekema an, sondern er zahlte die Hochzeit und stiftete als Brautgeschenk den Trauring seiner verstorbenen Ehefrau.
Auch in Friesland funktionierte das Netzwerk Niederadel, Georg unterhielt freundschaftliche Kontakte beispielsweise mit Hans Rieter von Kornburg in Nürnberg, den er vermutlich seit dem Donaufeldzug Kaiser Karls V. 1546 gegen den Schmalkaldischen Bund kannte. Johann Onuphrius von Schwarzenberg, kaiserlicher Obrist in Italien unter Karl V., und ältester Sohn von Wolfgang von Schwarzenberg, der als Begründer der westfriesischen Linie der fränkischen Schwarzenberg aus dem Steigerwald gilt, wurde von Georg von Espelbach zu seiner Verlobungsfeier mit Katharina van Dekema eingeladen. Obwohl Georg sich in seinen Korrespondenzen hin und wieder beklagt, am Ende der Welt zu wohnen – es ist ungewiss, ob er jemals wieder nach Dinkelsbühl reiste oder ob und wann er bei seinen Kriegszügen und Reisen durch Esselbach kam – fühlt sich Georg offensichtlich wie ein kleiner König, ob der Befugnisse, die er hat, und auch ob der Annehmlichkeiten, die mit seiner Position verbunden sind. Am 29. März 1575 stirbt Georg von Espelbach und wird im Sankt-Michael-Dom in Harlingen-Almenum beigesetzt. Er hinterlässt Frau und vier Kinder, die ab ca. 1580 nach Köln ins Exil gehen, nachdem in Friesland der Calvinismus zur offiziellen Religion bestimmt worden war. Im Februar 1644 sterben innerhalb von neun Tagen in Köln die Geschwister Georg (II) und Emerentiana von Espelbach, beides Kinder von Georg (I) von Espelbach. Diese beiden waren die letzten bisher bekannten Träger des Namens Espelbach, des ursprünglich aus dem Südost-Spessart stammenden Rittergeschlechts. Damit endet eine nahezu 500-jährige Geschichte.
Alle Zitate und Informationen entnommen aus: Gertrud NÖTH, Die Ritter von Espelbach. Beiträge zur Geschichte der Gemeinde Esselbach. Band I. Herausgegeben von der Gemeinde Esselbach 2021 (295 Seiten, mit umfangreichem Anmerkungsapparat und Literaturangaben sowie zahlreichen Abbildungen)
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